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Bild Christian Heinrich Zeller Zur Geschichte der
Armenschullehrer- und Armenkinderanstalt Beuggen

von Dr. Fabian Brändle, Zürich (schweizer Historiker)


Die Zeit von 1815 bis 1915 gilt gemeinhin als "Missionsjahrhundert". Zehntausende von europäischen und amerikanischen Frauen und Männern sämtlicher christlicher Kirchen und Demoninationen schwärmten damals bis in die hintersten Winkel der bekannten Welt aus, um das Evangelium zu verkünden, Schule zu geben, Werkstätten und Mustergüter zu gründen. Einige Missionare wirkten als "Agenten der Kolonisatoren" und verachteten als beinharte Rassisten die einheimische Kultur, andere lernten Fremdsprachen und vertraten als "Diplomaten" die Interessen ihrer "Anvertrauten gegen außen", so gut es ging. Zu diesen "herrschaftsfernen" Missionaren zählten die Herrnhuter, die seit dem 18. Jahrhundert als Missionare agierten. Der Oltinger (heute Kanton Baselland) Sebastian Gysin (1811-1893) war einer von ihnen und wirkte jahrzehntelang im heutigen Südafrika. Seinen "Lebenslauf" hat er ausführlich niedergeschrieben. Der interessante Text wurde in den "Mitteilungen der Brüdergemeine" 1893 gedruckt.

Sebastian Gysin wuchs in Oltingen als Sohn der Inhabers einer Wassermühle und Bauern in recht wohlhabenden Verhältnissen auf. Seine religiöse Prägung erfuhr er vom Basler Pfarrer und Mitbegründer verschiedener protestantischer Hilfsvereine, Wilhelm Legrand, einem typischen Vertreter des "Frommen Basel". Legrand riet den Eltern, Gysin Lehrer werden zu lassen. Da im Kanton noch kein Lehrerseminar existierte, bildete sich Gysin mit Privatunterricht auch im Basler Missionshaus weiter. Schon früh sammelte Gysin Erfahrungen in verschiedenen Landschulen, bildete sich auch weiter, so im Jahre 1831 auch in Beuggen bei Christian Heinrich Zeller (1779-1860), der als damals berühmter Pädagoge und Pestalozzischüler die "innere Mission" vorantrieb. Zeller war persönlich mit Christian Friedrich Spittler (1782-1867), dem Sekretär er "Basler Missionsgesellschaft", bekannt. Im Jahre 1820 hatte der Jurist Zeller die "Anstalt" für "verwahrloste Kinder" und "Lehrerzöglinge" für Armenschulen gegründet. Für Sebastian Gysin war sein halbes Jahr in Beuggen prägend: "Das war für mich eine reich gesegnete und daher unvergessliche Zeit. Sowohl für mein Herz als auch für meinen künftigen Beruf empfing ich hier eine tiefgreifende Anregung und Förderung." Zeller als Vorbild für den jungen Mann unterrichtete nicht nur "klar" und "gründlich", sondern begeisterte durch seine einerseits väterliche, andererseits "sehr bestimmte" Art die Auszubildenden für den Lehrerberuf. Für Zeller, der bekanntlich auch Kirchenlieder dichtete, war "nur in der Bethätigung eines lebendigen Christentums (...) eine erfolgreiche Erziehertätigkeit möglich." Die angehenden Lehrer konnten ihr erworbenes Wissen praktisch im Beuggener "Rettungshaus" umsetzen.

Als politisch Konservativer war nach dem Sieg der Liberalen und der anschließenden Basler Kantonsteilung kein Platz mehr für Gysin. Seit 1837 Mitglied der "Gemeine Basel" der Herrnhuter, entschloss sich Gysin zwei Jahre später, gemeinsam mit seiner tatkräftigen deutschen Frau zum Missionsdienst in Südafrika. In Bedford lernte er einige Monate die englische Sprache, nach 77 Schiffstagen auf hoher See erreichte er glücklich Kapstadt, die Hauptstadt der Kapkolonie: "Eigentümlich war uns zu Mute, als wir beim Landen die braunen und schwarzen Gesichter der Hottentotten, Malyen, Neger und Kaffer vor uns sahen. Das waren also die Vertreter der Nationen, denen wir die Botschaft des Heils verkündigen sollten." 1840 erreichte Gysin, "nach landesüblicher Weise" mit einem Ochsenwagen, Gnadenthal (heute Genadendal) rund 110 km östlich von Kapstadt, die erste Missionsstation im südlichen Afrika. Dort unterrichtete er in der "Gehilfenschule" angehende einheimische Lehrer. Er wolle den manchmal aufbegehrenden jungen Männern mit Geduld begegnen, nahm er sich vor. Der Missionar wurde zum Zeitzeugen der vielen Grenzkriege gegen die Xhosa ("Kaffernkriege"), die sich gegen Raubzüge und Landwegnahmen der burischen "Kommandos" wehrten. 849 reiste Gysin weiter nach Silo an die "Frontier" im Land der Xhosa, um dort eine Missionsstation aufzubauen.

Gysin, Sebastian. Lebenslauf. In: Mitteilungen aus der Brüdergemeine 1895/2, S. 94-133.






zuletzt geändert: 20.5.2017
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